Sammlung-Rohde
Schweizer Welt
Das Berner Oberland ist ein landschaftliches Naturerbe mit Touristen aus aller Welt. Die Zahnstange der Schynige Platte Bahn, das Zahnrad der Berner Oberland Bahn und die Schienen von der Wengernalpbahn sind Originalteile, ebenso der Seilbahnsessel von der Oeschinenseebahn in Kandersteg. Die Montage war eine besondere Herausforderung, aber hängen sollte sie schon. Zwei Militärmotorräder des Schweizer Motorradherstellers Condor gehören natürlich dazu.
Condor A 350
Condor A 580
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Sportlerwelt
Motorräder mit extremen Leistungen haben schon immer fasziniert. Im Gegensatz zu sogenannten Hypercars waren sie auch für Normalverdiener finanziell verkraftbar. Schon die 42 PS einer BMR R 69 S galten 1960 als ebenso berauschend wie die 67 PS einer Honda CB 750 oder die 81 PS einer Kawasaki Z 1 Anfang der 70er Jahre. In den 2010er Jahren reden wir von 200 PS mit 300 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Beschleunigung von 7 Sekunden auf 200 km/h. Leistungen, die auf öffentlichen Straßen auch nicht ansatzweise auszuleben sind. Technische Spitzenleistungen, die eigentlich auf die Rennstrecke gehören.
MV Agusta 750 F 4 Senna
BMW HP 2 Sport
Ducati 996 SPS
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Designwelt
Motorräder mit herausragendem Design sind selten. Die Möglichkeiten sind begrenzt. Durften sich Designer dann doch mal avantgardistisch austoben, so konnte als sicher gelten, dass die Motorräder keine Verkaufserfolge wurden. Motorradfahrer sind konservativ. Wollen sie nichts von der Stange, individualisieren sie ihre „gewöhnlichen“ Motorräder. Customizer-Unikate in schrillen Ausführungen gibt es zuhauf – aber Design aus der Serie war selten ein Trend.
BMW K 1, 1990
Aprilia Moto 6.5, 1997
Bimota DB 3 Mantra, 1999
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Deutsche Stars der 50ER
Erst nach dem 2. Weltkrieg begann die eigentliche Massenmotorisierung. In Deutschland ging es los mit den Mopeds und Motorrädern. Es gab mehr als 50 deutsche Motorradhersteller und NSU war Mitte der 50er Jahre der weltgrößte Hersteller von Motorrädern. Deutsche Motorräder waren innovativ, zuverlässig und erfolgreich im Motorsport. Bereits ab 1956 war es mit dem kleinen Motorradwirtschaftswunder vorbei: Am Ende des Jahrzehnts hat allein BMW als Motorradhersteller überlebt.
NSU Quickly
DKW RT 125, 1950
NSU Max Spezial, 1955
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20ER, 30ER UND 40ER JAHRE
Wir haben nur ein Motorrad aus den 20er Jahren: Eine Motosacoche AL 250 aus dem Jahre 1928. Motosacoche, ein Schweizer Hersteller, hat bis in die späten 30er Jahre Motorräder von hoher Qualität gebaut. Bis Mitte der 20er Jahre war Motosacoche mit seinen M.A.G.-Motoren der weltgrößte Einbaumotorenhersteller der Welt. DKW avancierte mit seinen innovativen Zweitaktern Mitte der 30er Jahre zum größten Motorradhersteller der Welt. Die belgische FN errang Weltruhm durch eine Saharadurchquerung, daher der (offizielle) Beiname. Die 40er Jahre waren das Stillstandsjahrzehnt in der Motorradentwicklung, geschuldet dem 2. Weltkrieg und seinen Nachwirkungen. Speziell in Deutschland gab es nur Produktionen für das Militär. So ist es kein Wunder, dass unser einziges Motorrad der 40er Jahre eine Nimbus C aus Dänemark ist.
Motosacoche AL 250, 1928
DKW 250 Sport, 1938
NIMBUS C
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50ER JAHRE
Die 50er Jahre waren Aufbruch und Niedergang zugleich. Das Motorrad war kein Freizeitgerät sondern hatte Menschen und Lasten von A nach B zu bringen. Daher war die Blüte relativ kurz: Ein Auto war praktischer und vertrug mehr Lasten. Der weltgrößte Motorradhersteller NSU schaffte es tatsächlich zu einem erfolgreichen Automobilhersteller zu werden. Motorrad als Freizeitvergnügen? Das wartete noch auf seine Entdeckung.
MV Agusta 125 TR, 1956
NSU Superfox, 1960
BMW R 50, 1956
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60ER JAHRE
Die 60er Jahre brachten Japan nach Europa. In den USA wurde das Motorrad als Lebenselixier entdeckt, Freizeit und Freiheit waren die Schlüsselbegriffe einer völlig neuen Identifikation. Die europäischen Motorradhersteller taten sich schwer, diesen Zug zu erkennen. Japans Motorräder finden an die Welt zu erobern, erst zaghaft und belächelt, dann dominant.
Yamaha DS 6, 1969, Japan
Honda CB 450, 1971
Honda CB 72, 1966
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70ER JAHRE
Die Japaner erreichen einen Marktanteil von mehr als 70%. Die Messen waren voller ungeduldiger Motorradfahrer, die jedes neue Modell aufsaugten. Die durchschnittliche Haltedauer eines neuen Motorrads lag bei 13 Monaten. Die technischen Fortschritte waren enorm und neben immer mehr Leistung gab es zunehmend auch stabilere Fahrwerke. Eine ganze Generation junger Motorradfahrer stürmte die Läden und die Straßen. Motorräder waren in; wer mit 50 Jahren noch fuhr, galt als ungewöhnlich alter Motorradfahrer. Nicht selten ging es darum, der Schnellste auf der Hausstrecke zu sein mit entsprechend hohen Unfallzahlen.
Honda CB 750 K2, 1973
BMW R 90, 1973
Honda CB 500, 1972
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80ER JAHRE
Selten wurden in einem Jahrzehnt so viele unterschiedliche Konzepte angeboten wie in den 80ern. Riesige Einzylinder, Reihen- und V2-Zylinder quer und längs, Dreizylinder und Vierzylinder in Reihe quer oder längs und in V Form gab es von den Herstellern und auch 5 Ventile pro Zylinder wurden serienmäßig angeboten. Wasserkühlung war auf dem Vormarsch und endlich taugten auch die Bremsen.
Honda CBR 1000, 1987
Yamaha RD 350 YPVS, 1987
Moto Guzzi 850 Le Mans III
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90ER JAHRE
Die 90er Jahre brachten weitere Innovationen. Luftgekühlte Motoren wurden seltener und erste Retro-Modelle wurden sichtbar. Die Tourensportler erreichten ihren Höhepunkt und die Klasse der Supersportler bildete sich heraus, kompakt, niedriges Gewicht und viel Leistung als kleine 600er oder große 900er/1000er. BMW erneuerte den altehrwürdigen Boxer zum charakterstarken Vierventiler, Totgesagte leben länger als man denkt. Die sog. Wiedereinsteiger bescherten hohe Zulassungszahlen.
Honda ST 1100 Pan European, 1991
BMW R 1100 RS, 1993
Honda GB 500 Clubman, 1992
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0ER JAHRE
Nach dem Jahrtausendwechsel war die Welt nicht untergegangen. Europäische Hersteller machten Fortschritte und kratzten an der technischen Überlegenheit der Japaner. Klassische Konzepte wie der Reihenvierzylinder wurden übernommen und waren teils besser als die Originale. Schlechte Fahrwerke gehörten der Vergangenheit an. Das digitale Zeitalter für die Jugend begann und der Nachwuchs blieb aus, Motorradfahren ist so uncool wie Draußen zu sein. Die Neuzulassungen gingen Jahr für Jahr zurück.
MV Agusta 750 F4, 2002
MZ 1000 S, 2009
Honda CB 1300, 2006
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2010ER JAHRE
Es ging langsam wieder aufwärts. Die Jugend wollte doch wieder raus. Und die Alten blieben. Käufer neuer Motorräder waren jetzt im Schnitt um die 50 Jahre alt. Aus krawalligen Rebellen wurden interessante Gäste mit Sinn fürs Geldausgeben. Die teuersten Motorräder waren die erfolgreichsten. Adventure war voll angesagt, auch wenn die Geländegängigkeit selten genutzt wurde. Aussehen macht Eindruck. Die Europäer dominieren; die Japaner schaffen zusammen gerade noch 35% Marktanteil, entdecken aber die Vernunft der Mittelklasse: bezahlbar, leicht zu handhaben, am liebsten klassisch, inzwischen naked bike getauft.
BMW R NineT Strich 5, 2019
Ducati Scrambler 800 Full Throttle, 2018
Honda CBF 1000 Africa Twin DCT, 2016
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2020ER JAHRE
Es wird weiter gehen. Elektromotorräder werden (noch) nicht wahrgenommen. Der Verbrennungsmotor wird nirgendwo besser wahrgenommen als auf einem Motorrad. Und doch sagt der mainstream, dass es mit dieser Art der Fortbewegung in absehbarer Zeit vorbei sein wird. Wiederholt sich die Geschichte der Windgesichter, die aus den 50er Jahren übrig geblieben waren? Und wenn ja, wie geht es weiter? Das Kulturerbe Motorrad wird weiterleben, in welcher Form auch immer.
Ducati Monster SP